Wasser wird teurer - Familien sollen die Zeche zahlen

4. Juni 2026

Wasser wird teurer: Familien sollen die Zeche zahlen

Am 24. Juni soll die Verbandsversammlung des Wasserverbandes Strausberg Erkner über eine weitreichende Änderung der Trinkwasserpreise entscheiden. Geplant ist die Abschaffung der bisherigen Grundgebühr, während der Preis pro Kubikmeter Trinkwasser gleichzeitig von 1,10 Euro auf 2,40 Euro steigen soll.

Auf den ersten Blick mag die Abschaffung der Grundgebühr attraktiv erscheinen, schließlich entfällt die bisherige Jahresgebühr von rund 100 Euro. Wer jedoch genauer hinschaut, erkennt schnell, dass die Kosten keineswegs verschwinden, sondern lediglich anders verteilt werden.

Künftig sollen die Einnahmen des Wasserverbandes weitgehend über den Wasserverbrauch erzielt werden. Davon profitieren vor allem Haushalte mit sehr geringem Verbrauch. Familien, Mehrpersonenhaushalte und viele Bewohner von Mehrfamilienhäusern müssen dagegen mit höheren Kosten rechnen.

Bereits ab einem Jahresverbrauch von rund 80 Kubikmetern wird die neue Regelung teurer als bisher. Eine Familie mit Kindern erreicht diesen Wert ohne Weiteres.

Besonders kritisch sehe ich, dass mit der Abschaffung der Grundgebühr ein bewährtes System der Gebührenstabilität aufgegeben wird. Die bisherige Grundgebühr sorgt dafür, dass die Kosten für Infrastruktur, Personal und die dauerhafte Sicherstellung der Wasserversorgung verlässlich finanziert werden können.

Fällt diese stabile Einnahmequelle weg, hängen die Einnahmen des Verbandes künftig wesentlich stärker vom Wetter und vom Verbrauchsverhalten der Bürger ab. In regenreichen Jahren sinkt der Wasserverbrauch, in trockenen Jahren steigt er. Die Folge sind schwankende Einnahmen, die langfristig zu deutlich stärkeren Preisschwankungen führen können.

Besonders bemerkenswert ist, dass diese Kritik nicht nur von mir kommt. Auch der WSE selbst sieht die Abschaffung der Grundgebühr kritisch. Verbandsvorsteher André Bähler warnt ausdrücklich vor den finanziellen und sozialen Folgen dieser Umstellung. Gerade Familien und Bewohner von Mehrfamilienhäusern hätten nur begrenzte Möglichkeiten, ihren Wasserverbrauch weiter zu reduzieren, würden die höheren Kosten aber unmittelbar tragen müssen.

Der Vorstoß stammt von den Bürgermeistern aus Rüdersdorf, Neuenhagen, Altlandsberg, Fredersdorf-Vogelsdorf und Petershagen/Eggersdorf. Ihr Ziel ist es, über höhere Verbrauchspreise Anreize zum Wassersparen zu schaffen.

Ich halte diesen Weg für falsch.

Wasser ist kein Luxusgut, sondern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Familien und normale Haushalte dürfen nicht dafür bestraft werden, dass sie mehr Wasser benötigen als ein Einpersonenhaushalt. Statt einer Gebührenpolitik, die vor allem Familien belastet und zugleich die Preisstabilität gefährdet, brauchen wir eine faire, sozial ausgewogene und langfristig verlässliche Lösung.

Deshalb lehne ich die geplante Abschaffung der Grundgebühr ab.

Ihr Erik Pardeik
Mitglied des Landtages Brandenburg


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